Junghelferentwicklungskonzept der THW Jugend Ibbenbüren

THW

Kategorie:
Nachwuchsarbeit
Anschrift:
49477 Ibbenbüren

Über das Projekt

Wir befinden uns im Jahr 2017. Ganz Kreis Steinfurt ist von feindlichen Stämmen besetzt. Ganz Kreis Steinfurt? Nein! Eine von kreativen, sympathischen, emphatischen, engagierten und jung gebliebenen THW´lern bevölkerte Stadt Ibbenbüren hört nicht auf, den vielen Widersachern Widerstand zu leisten.

Und das Leben ist nicht leicht für die Kameraden, die als Besatzung in den benachbarten Blaulichtorganisationen Feuerwehr, DLRG, DRK und Malteser liegen. (Anmerkung der Redaktion: Wir arbeiten eng, kameradschaftlich, freundschaftlich und unterstützend mit unseren Blaulichtpartnern zusammen.)

In unserem Ortsverband (OV) ist seit 21 Jahren eine Jugendgruppe etabliert. Vor fünf Jahren hat sich ein Team von vier Jugendbetreuern im OV gefunden, die, um den gesellschaftlichen Wandel wissend, Jugendarbeit neu gestalten wollten. Angelehnt an die Leitsätze respektive Grundsätze der THW Jugend haben wir ein Gesamtkonzept mit dem Schwerpunkt auf Junghelferorientierung und deren Lebenswirklichkeit entwickelt. In den letzten Jahren haben wir unser Junghelferentwicklungskonzept immer wieder in den Fokus der Betrachtung hinsichtlich Ausbildungsqualität, Junghelfermanagement und Junghelferkultur gesetzt, mit dem Ergebnis, dass wir nun ein auf sich aufbauendes, schon in der Minigruppe beginnendes Ausbildungskonzept leben.

Unser Konzept basiert auf den Grundsätzen von Jugendarbeit. Demnach sollen Kinder und Jugendliche Zugang zu Angeboten haben, die ihre Entwicklung fördern und sich an den Interessen der Kinder und Jugendlichen orientieren sowie von diesen mitgestaltet werden. Ziel ist die Herausbildung der Persönlichkeit, die Befähigung zur Selbstbestimmung und die Übernahme von gesellschaftlicher Mitverantwortung und sozialem Engagement (vgl. SGB VIII §11).

Im Laufe der fünf Jahre hat sich die Zahl der Junghelfer nahezu verdoppelt. Diese Entwicklung ist u.a. ein Indikator für den pädagogischen Leitgedanken, den wir in unserer Jugendarbeit ausleben. Jeder ist willkommen und ein jeder ist wertvoll. Abgebildet wird dies in der Zusammensetzung unserer Jugendgruppe durch

  • die verschiedenen Altersstrukturen (6-17 Jahre)
  • die Vertretung aller Schulformen
  • die Teilnahme von Kindern mit Inklusionshintergrund
  • die Teilnahme von Mädchen und Jungen sowie
  • die Partizipation von jungen Menschen mit Migrationshintergrund.

Wie in der schulischen Bildung auch, betrachten wir die Jugendlichen ganzheitlich, also mit all ihren Stärken und auch Schwächen. Dabei gilt es Stärken bestmöglich zu nutzen und die Schwächen bestmöglich zu kompensieren. Schön ist es hierbei zu beobachten, dass basierend auf unserem Verständnis sich in den letzten Jahren eine Gruppendynamik und Gruppeninteraktivität entwickelt hat, die diesem Anspruch gerecht werden. So werden beispielsweise Kinder und Jugendliche, die unter einer Lese-Rechtschreibschwäche leiden nicht ausgegrenzt oder der Lächerlichkeit preisgegeben, sondern sie werden vielmehr so in die Gruppe eingebettet, dass diese Schwäche gar keine mehr für sie während der Teilhabe am THW-Jugendleben darstellt.

Wir möchten unseren Junghelfern im außerschulischen Bereich die Chance geben, ihre Persönlichkeit zu stärken, die Bereitschaft neuem positiv gegenüber treten zu können und in der Gesellschaft soziale Verantwortung zu übernehmen.

Aktuell haben wir in der Minigruppe sechzehn Kinder im Alter von 6-10 Jahren. Davon sind sieben Mädchen. In unserer Jugendgruppe sind alle Junghelfer im Alter von 10-17 Jahren disloziert. Diese umfasst derzeit dreiundvierzig Kids. Davon sind acht Mädchen.

Der Dienst für unsere Minis findet immer auf dem letzten Samstag im Monat statt. Unsere sechzehn Kids werden, unterstützend durch die zuletzt gewechselten Junghelfer in die Jugendgruppe, an die verschiedensten Aufgaben herangeführt. Diese finden sich in den einzelnen Bildungsschwerpunkten wieder. Für unsere thematische Jahresplanung gestalten wir Ausbildung mit Elementen aus Handwerk, Forschung, Technik, Natur und Erlebnisausbildung. Drei Beispiele hierfür sind die Teilnahme an der jährlichen Säuberungsaktion der Stadt sowie zwei jährlich stattfindende Tagesfahrten, mit den Schwerpunkten Kultur und Bildung sowie Spiel und Spaß. Aktuell bauen unsere Minis Schwedenstühle aus Holz im Rahmen des Natur- und Umweltprojekts.

In diesem Jahr schreiben wir 1/20 Jahrhundert Minigeschichte. Vor fünf Jahren sind wir mit acht Minis gestartet. Bis heute hat sich die Zahl verdoppelt. Diese Größe kann als konstant bezeichnet werden, obwohl wir jährlich mehrere Übertritte aus der Minigruppe in die Gruppe der 10-17 Jährigen verzeichnen können.

Die Jugendgruppe wird durch ein 12-köpfiges Kernteam, bestehend aus dem Zugführer, den Unterführern sowie vier Jugendbetreuern, ausgebildet.

Die Ausbildung ist in vier Komplexe, die hinsichtlich von Methodik und Didaktik nach dem Prinzip vom Kleinen zum Großen aufeinander aufbauend, gegliedert sind.

Seit dem letzten Jahr praktizieren wir das Prinzip „Train the trainee“. Unter diesem Motto wird der Dienst der Jugend von den 16+ - Helfern, unter Anleitung des Kernteams vorbereitet, durchgeführt und nachbereitet. Die Themen, die auf den Jugenddiensten ausgebildet werden, sind die Ausbildungsinhalte, die schon zuvor auf den vorangegangenen Grundausbildungsdiensten (Grundausbildung= Ausbildungsstufe aller Helfer ?18 Jahre für den Eintritt in den aktiven Dienst in TZ + Stab) beübt wurden. Diese finden im zweiwöchigen Turnus auf einem Dienstag in der Zeit von 18.00-21.00 Uhr statt. In derselben Kalenderwoche hat die Jugendgruppe ihren Dienst auf dem Freitag. Hier passen wir die Zeit den Witterungsverhältnissen an, dass heißt, in den Wintermonaten hat die Jugend in der Zeit von 17.00-20.00 Uhr Dienst. In der Sommerzeit dauert der Dienst dann eine Stunde länger.

Eine Besonderheit auf den Jugenddiensten ist das „Abenteuer Ernährung“. Hier kochen, unter Anleitung der Jugendbetreuer, die Jugendlichen selbst. Dieser Baustein ist vor ca. vier Jahren von uns in das Jugendausbildungskonzept eingewoben worden. Damals hatten wir auf einer Jugendhelferversammlung, die u. a. der Auslotung von Wünschen seitens der Junghelfer dient, die Rückmeldung von einigen Jugendlichen bekommen, dass sie sich eine Verpflegung auf ihren Ausbildungsdiensten wünschten. Viele Jugendliche berichteten uns, dass sie vor Dienstbeginn zuhause häufig noch keine warme Mahlzeit bekommen hätten. Über diesen Umstand waren wir Jugendbetreuer dermaßen betroffen, dass es uns eine Herzensangelegenheit war, den Wunsch der Junghelfer zu erfüllen. Dieses Abenteuer kommt seitdem bei unseren Junghelfern so gut an, dass wir uns zeitweise vor heranwachsenden Chefköchen nicht retten können.

Die Themen und Inhalte der Jugenddienste lehnen sich ebenfalls an die Bildungsschwerpunkte der Jugendarbeit an. Als Grundlage für die Planung und Gestaltung der Jugenddienste dient der Ausbildungsleitfaden der THW-Jugend. Dieser ist in drei Themenkataloge gegliedert. Der Themenkatalog Teil 1 enthält Themen der betreuenden Jugendarbeit. Mit dem Themenkatalog Teil 2 werden die Lerninhalte der Grundausbildung abgebildet. Drei Beispiele unserer Ausbildung sind die Vorbereitung auf Wettkämpfe und Leistungsabzeichen, Teambuildingmaßnahmen sowie die Technische Ausbildung. Bei letzterem ist es uns wichtig, dass die Kids mit ihren handwerklichen und technischen Fertigkeiten Werkstücke erarbeiten. Von der Ideenfindung über die Umsetzung und Ausführung bis hin zum Präsentieren werden sie auf die „Reise geschickt“, um sich selbst zu entdecken.

Auf dem jährlich stattfindenden Jugend- und Familientag bekommen die Jugendlichen die Gelegenheit ihre Werkstücke den Eltern und unserer THW-Familie zu präsentieren. Die aktuellsten Projekte sind Sitzgarnituren, Blumenkästen und Stelen aus Holz sowie ein Sonnenstuhl und eine Saftbar aus Europaletten.

Ein weiteres Ziel unserer Jugendarbeit ist es, dass die Junghelfer so früh wie möglich Kontakt mit aktiven Helfern bekommen und sich damit im OV-Team finden können. Hierfür nehmen die 16+ -Helfer am, im vierwöchigen Rhythmus stattfindenden, Samstagsdienst des Technischen Zuges in der Zeit von 09.00-18.00 Uhr teil. Unser Zugführer gestaltet seine Ausbildung auf der Basis der vorangegangenen Jugend- und Grundausbildungsdienste und vertieft sie durch die Themen der Niveaustufe der Basisausbildung II. Diese sind analog zum Themenkatalog Teil 3 der THW Jugend. Für das leibliche Wohl während des Technischen Dienstes sorgen die 15-jährigen Junghelfer.

Einmal im Monat auf einem Samstagsdienst nutzen unsere Junghelfer das zweistündige Angebot in Form eines Projektdienstes. Die Inhalte sind u.a. an gesellschaftspolitische, geschichtliche sowie naturkundliche Themen, unter Berücksichtigung der Lebenswirklichkeit der Jugendlichen angelehnt.

Begonnen hatte es damals 2013 mit dem Workshop „Projekt Lommel-Du und ich ein Team“ zum Thema Extremismusprävention. Im Rahmen einer Exkursion haben wir in Lommel Kriegsgräberpflege betrieben. Ab dem darauffolgenden Jahr sind wir mit dem monatlichen Projektdienst gestartet. Unter dem Motto „Mit der Politik auf du und du“ erarbeiteten sich die Jugendlichen in den Jahren 2014 und 2015 Themen zur Innen-und Außenpolitik. Ihren Abschluss finden die Jahresprojekte jeweils in einer einwöchigen Jugendfahrt in den Herbstferien, die u.a. nach Hamburg, Berlin und Wien führten. Seit dem letzten Jahr beschäftigen sich unsere Jugendlichen mit dem Projekt „Natur und Umwelt“. Derzeit arbeiten die Kids an der Erstellung einer Um-weltzeitschrift.

In den Sommerferien bieten wir unseren Junghelfern ein Ferienprogramm an. Highlights dieses Programmes sind die Tagesfahrten, die auch hier auf der Grundlage von Kultur + Bildung sowie Spiel + Spaß stattfinden. Ziele waren in den letzten Jahren Freizeitparks, das Klimahaus in Bremerhaven, die Meyer Werft in Papenburg, das Freilichtmuseum in Cloppenburg, das Sinalco-Werk in Duisburg-Walsum, diverse Zoos in der Umgebung und die Autostadt in Wolfsburg.

Anfang letzten Jahres haben wir uns der besonderen Herausforderung gestellt jungen Menschen mit Migrationshintergrund die Türen zu unserem Ortsverband zu öffnen. Wir wollten in Zusammenarbeit mit der Stadt Ibbenbüren unseren neuen Mitmenschen einen Raum geben, in dem sie Anschluss finden können. Bis jetzt engagieren sich neun Helfer mit Migrationshintergrund in unserem Ortsverband.

Nach diesem langen und recht umschriebenen Ausflug in unser Jugendausbildungskonzept setzen wir uns nun sinnbildlich gemeinsam um ein Lagerfeuer herum. Wir nutzen diese Gelegenheit, endlich einmal zu versammeln und in Ruhe zählen zu können. Schön, dass wir eine 100% Übertrittsquote haben und - wie unsere Leser vielleicht längst erraten haben – wir nun am Ende unserer Geschichte am großen Festbankett sitzen, beim Teutates!

Heute mehr früher ist es wichtig, junge Menschen für das Ehrenamt zu begeistern. Unser Konzept zeichnet uns aus, dass wir nicht nur die Übernahme von gesellschaftlicher und sozialer Verantwortung fördern, sondern darüber hinaus ein breitgefächertes Bildungsangebot machen. Der Erfolg unserer Arbeit zeigt sich in den 100% Übertritten der Jugendlichen in den Dienst der THW Einsatzkräfte.

Die Jugendlichen haben die Gelegenheit und Möglichkeit im Rahmen von Prüfungen auf Bezirks-, Landes- und Bundesebene an Wettkämpfen teilzunehmen. Des Weiteren werden die Ausbildungsstände unserer Jugendlichen in Form von Prüfungen (Leistungsabzeichen der THW Jugend) abgebildet. Die erworbenenen Prüfungsleistungen werden den Jugendlichen für ihre Ausbildung zum THW Helfer angerechnet.

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