Über das Projekt
Bitte erzählen Sie uns von Ihrem Projekt in einer kurzen Zusammenfassung.
In unserem Regionalverband gibt es zahlreiche Badegewässer, die sich bei Kindern und Jugendlichen hinsichtlich ihrer Freizeitgestaltung großer Beliebtheit erfreuen. Mit der Problematik von schließenden Schwimmbädern und infolgedessen ausfallendem Schwimmunterricht sieht sich jedoch leider auch der Rhein-Erft-Kreis konfrontiert.
Insbesondere unser Wasserrettungsdienst beobachtet die daraus resultierende Diskrepanz zwischen dem Wunsch nach ausgelassenem Badevergnügen und realer Schwimmfähigkeit. Auch verfügen viele Erholungssuchende nur über ein geringes Gefahrenbewusstsein an Badegewässern. Unser Projekt „Wasserrettung meets Katastrophenschutz“ (kurz „WmK“) will SchülerInnen ab der 5. Klasse ganz praxisnah und authentisch nahebringen,
- in welchen Situationen beim Baden besondere Vorsicht geboten ist
- wie man sich bei Erschöpfung oder einem Krampf klug verhält
- wie man gemeinsam eine erschöpfte Person sicher aus dem Wasser bringt
- wie man bei kleinen Verletzungen am Strand Erste Hilfe leistet
Um einen direkten Praxisbezug herzustellen, findet der Projekttag an einem Badesee statt, der vielen SchülerInnen bereits bekannt ist. Dabei nutzen wir bestehende Infrastrukturen, da unser Regionalverband dort den Wasserrettungsdienst stellt. Auch Modulationen für Projekttage an Fließgewässern der Region (Erft, Swist, etc.), teils in Kooperation mit lokalen Wassersportvereinen oder in den Räumlichkeiten der eigenen Schule, sind verfügbar. Eine didaktische Verschmelzung von Ausbildungsinhalten aus Wasserrettung und Katastrophenschutz war naheliegend. Die vermittelten Kernthemen leiten sich maßgeblich aus den EHSH-Modulen ab, die der ASB im Auftrag des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) abhält. Thematisch spannen wir den Bogen vom individuellen Beitrag zu einem sicheren Badeausflug bis hin zu cleverer Notfallbevorratung. Ziel ist eine anwendungsbezogene „Hilfe zur Selbsthilfe“ – ohne, dass die eigene Sicherheit dabei gefährdet wird.
Welche Situationen oder Anlässe haben Ihr Projekt ausgelöst?
Der Rhein-Erft-Kreis war im Sommer 2021 schwer vom Hochwasser betroffen, wodurch sich viele Familien von einem auf den nächsten Moment existenziellen Fragen auseinandersetzen mussten, die in ihrem bisherigen Alltag nie eine Rolle gespielt haben. Auf Initiative unseres Jugendkulturhauses CULTRA wurde das Kreativprojekt „721 gestern - heute - morgen“ ins Leben gerufen. Junge Menschen hatten hier die Möglichkeit, die Geschehnisse in vielseitigen künstlerischen Prozessen aufzuarbeiten. Hilflosigkeit und empfundene Ohnmacht, aber auch der Wille anzupacken und daraus Hoffnung zu schöpfen, waren zentrale Momente, die sich in den Werken der Kinder und Jugendlichen widerspiegelten. Genau hier will „WmK“ ansetzen:
Auf ganz basaler Ebene sollen alltagsrelevante Maßnahmen für Groß und Klein vermittelt werden. Mit gestärkten Selbstschutzkompetenzen soll die Handlungsfähigkeit der SchülerInnen auch in Notsituationen gefördert werden.
Welche Ziele verfolgt Ihr Projekt?
In unserem Projekt schaffen wir niederschwellig Kontakt zu zwei Abteilungen des ASB, die stark durch EhrenamtlerInnen repräsentiert werden. Ziel ist es, ihre Selbstschutzkompetenz zu stärken, die eigene Schwimmfähigkeit auszubauen und Handlungsfähigkeit in Notsituationen zu fördern. Durch realitätsnahe Übungen erleben die Teilnehmenden Selbstwirksamkeit und erwerben alltagsrelevantes Wissen. Ehrenamt als persönliche und gesellschaftliche Bereicherung erfahrbar machen, z.?B. in der ASJ oder durch ein FSJ. Die SchülerInnen sollen erkennen, wie sie zur Sicherheit anderer beitragen können – im Alltag wie in Krisen. „WmK“ fördert soziale Verantwortung, Resilienz und die Fähigkeit, besonnen zu handeln, und vermittelt die Bedeutung des Ehrenamts als persönliche und gemeinschaftliche Bereicherung. Zusammenfassend lassen sich also die Kernziele von „WmK“ bezogen auf soziale Anteilnahme und handfeste Wissensvermittlung festhalten.
Welche Schritte haben Sie bisher umgesetzt, um diese Ziele zu erreichen? Welche Zielgruppen sprechen Sie an und wie erreichen Sie diese?
„WmK“ wurde 2024 bereits zum dritten Mal erfolgreich mit SchülerInnen des Emil-Fischer-Gymnasiums (Euskirchen) abgehalten. Sowohl vom Lehrpersonal als auch der Schülerschaft erhielten wir durchweg positives Feedback.
Durch unsere kontinuierliche Präsenz an der Schule konnten wir mehrere OberstufenschülerInnen für die Wasserrettung gewinnen, die wiederum als MultiplikatorInnen in ihren Jahrgangsstufen wirken. Neben den Einsätzen für den Wasserrettungsdienst können sie in Freistunden und der Schwimm-AG dem Lehrpersonal als RettungsschwimmerInnen zur Seite stehen.
Als Zielgruppen haben wir SchülerInnen ab Klasse 5 sowie deren Lehrkräfte identifiziert. Durch aufsuchende Öffentlichkeitsarbeit in den weiterführenden Schulen des Rhein-Erft-Kreises werben wir für den Mehrwert von „WmK“. Viele unserer EhrenamtlerInnen sind beruflich als PädagogInnen tätig. So gelingt uns ein zwangloser Kontakt und die bedarfsgerechte Adaption je nach Schule.