Kategorie

Innovative Konzepte

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10245 Berlin

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Ehrenamt für Ehrenamt

ASB

Berlin-Brandenburg hat mit 2.600 Hektar Seenfläche die größte Binnenwasserfläche Europas. Es gibt 267 Vereine mit 47.000 Mitgliedern und ca. 75.000 Boote (ca. 200.000 Berliner besitzen einen Sportbootschein, 14.000 aktive Segler). Der Wasserrettungsdienst in Berlin wird 100% ehrenamtlich durch die Arbeitsgemeinschaft Wasserrettung Berlin geleistet, in der die DLRG, das DRK und der ASB vertreten sind. Die Absicherung findet im Regelfall an Wochenenden und Feiertagen von April bis Oktober statt.  Insgesamt umfasst die Infrastruktur, 4 Leitstellen (2x ASB), 38 Rettungsstationen (10 x ASB), 76 Rettungsboote (24x ASB). 

Ende der 90er Jahre waren die Rettungsstationen aus den 50er und 70er Jahren stark modernisierungsbedürftig (mitunter mussten sie von Asbest bereinigt werden). Die über Jahrzehnte statt gefundenen Notlösungen und Anbauten (z.B. für die sanitäre Versorgung) waren teilweise nicht mehr zulässig und sollten auf das Niveau heutiger Standards gebracht werden. Bei zehn Stationen war eine Instandhaltung der Gebäude aufgrund der Schäden nicht wirtschaftlich. Zudem sollten die aufgrund der Baufälligkeit bereits abgerissenen Beobachtungstürme an ihren ehemaligen Standorten wiedererrichtet werden. 

Der Einsatz von zahlreichen Jugendlichen ca. 650 (ASB), welche im Sanitäts- und Rettungsdienst ausgebildet wurden und zum Teil in Jugendprojekten eingebunden waren, war aufgrund der baulichen Situation gefährdet. Durch die Schließung der Rettungsstationen bzw. Sperrungen von Teilbereichen fehlten Arbeitsflächen und sanitären Einrichtungen, was die Fortsetzung der Dienste nur mit hohem Aufwand und viel Enthusiasmus ermöglichte. Ohne Maßnahmen zur Schaffung neuer Rettungseinrichtungen wurde bei der AG Wasserrettung ein Verlust von Helferpotential und damit eingehend eine Verschlechterung der funktionierenden Rettungsketten befürchtet. Die Einsatzstatistiken der letzten Jahre zeigten die Notwendigkeit die Rettungsstationen zu erhalten.

Ziel: Schaffung von Ersatzbauten, die einen sicheren Dienstbetrieb gewährleisten und die Betreuung der erholungsuchenden Bevölkerung auf dem Wasser sicherstellen. Zudem wollten wir auch in Zukunft ehrenamtlichen Helfern – und hier insbesondere Jugendlichen – im Wasserrettungsdienst sinnvolle Einsatzmöglichkeiten bieten.

Die finanziellen Mittel für die notwendigen Ersatzbauten waren von der AG nicht aufbringbar. Die Berliner Feuerwehr und die Senatsverwaltung für Inneres unterstützen die Neubaulösung, sahen sich jedoch aufgrund der Haushaltslage ebenfalls nicht in der Lage die Mittel zur Verfügung zu stellen.  

5 Samariter konnten und wollten diese Situation nicht länger hinnehmen und bildeten ein Projektteam, um trotz der angespannten Haushaltslage aller Beteiligten, die zwingend notwendigen Umbauten zu realisieren. Das Team evaluierte verschiedenste Fördermöglichkeiten. Es wurde eine Kostenschätzung kalkuliert und ein Antrag für den Abriss und Neubau von Wasserrettungsstationen und Wachtürmen an die Deutsche Klassen Lotterie Berlin (DKLB) gestellt. 

Der Antrag wurde bewilligt und es folgten drei weitere Anträge um das gesamte Bauverfahren zu realisieren. Insgesamt konnten 4 Wachtürme, 13 WRD Stationen, eine Bootshalle / Leistelle und eine Steganlage mit den Fördergeldern erneuert werden. Das Projektteam des ASB hat hierbei nicht nur für den ASB die Anträge gestellt, mit den Fördergeldern wurden ebenso 3 Stationen und 1 Wachturm für die DLRG realisiert. Die gesamte Bauherrschaft wurde ehrenamtlich durch den ASB ausgeführt, d.h. Planung, Genehmigungen, Ausschreibungen und Realisierung. Die Projektbegleitung wurde somit über Jahre in unzähligen ehrenamtlichen Stunden durchgeführt.

Die Inbetriebnahme der ersten Baustufe (6 WRD Stationen) erfolgte stufenweise 1999 und wurde anlässlich der Saisoneröffnung 2000 symbolisch auf der Station „Große Krampe“ in Anwesenheit von Vertretern des Landes und der Hilfsorganisationen gefeiert.  

Die Inbetriebnahme der zweiten Baustufe (7 WRD Stationen & 4 Beobachtungstürme) erfolgte 2010 und wurde auf der Station „Rahnsdorf“ in Anwesenheit von Vertretern des Landes und der Hilfsorganisationen gefeiert. Zur Erreichung der Baugenehmigungen mussten drei Klageverfahren ehrenamtlich beim Verwaltungsgericht Berlin geführt werden. Die Auseinandersetzung hat drei Jahre gedauert und wurde erfolgreich abgeschlossen. 

Die Inbetriebnahme der dritten Baustufe (Bootshalle und Leitstelle IV) erfolgte 2015 und wurde anlässlich der Saisoneröffnung 2015 auf der Leitstelle IV in Anwesenheit von Vertretern des Landes, der Berliner Feuerwehr, des Bezirksbürgermeisters und der HiOrg gefeiert. 

Trotz der Baumaßnahmen konnte zum größten Teil der Dienst aufrechterhalten werden, obwohl die Ehrenamtlichen mit chaotischen Zuständen fertig werden mussten (Aufenthalt in Zelten oder auf dem Boot). 

In Zeiten knapper Kassen in vielen Kommunen zeigt unser Projekt, dass mit Ideenreichtum und Engagement die Situation nicht einfach ausgesessen wurde, sondern aktiv nach einer Lösung gesucht wurde, um diese dann über die Jahre in der ehrenamtlichen Projektbegleitung zu realisieren. Es zeigt das ein engagiertes Ehrenamt mit eigener Energie und eigenem Know-How die Infrastruktur für den Bevölkerungsschutz des Landes Berlin deutlich verbessern konnte. Dieses Engagement ermöglicht, dass Berlin den modernsten Wasserrettungsdienst in Deutschland hat. Das spiegelt sich auch in der hohen Akzeptanz der ehrenamtlichen Wasserrettung bei der wassersporttreibenden Bevölkerung wieder. 

Ferner ist seit Längerem bekannt, dass vor allem zufriedene und glückliche Ehrenamtliche der Garant dafür sind, neue Interessierte in den Verein zu locken. Mit der Modernisierung können wir den Aktiven eine in diesem Standard noch nie dagewesen Umgebung und Möglichkeiten für ihr Engagement ermöglichen, was sich natürlich herumspricht.

Die durch die Baumaßnahmen ermöglichten neuen Ausbildungsangebote werden rege angenommen und sicheren den notwendigen Nachwuchs. 

Die Kooperation mit der AG Wasserrettung wurden gefestigt und gestärkt. 

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