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Innovative Konzepte

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71364 Winnenden

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Jugendfeuerwehr trifft Industrie

DFV/FFW

In den letzten Jahren kann bei den aktiven Feuerwehren, aber auch bei den Jugendfeuerwehren ein Mitgliederrückgang verzeichnet werden. Dieser Rückgang ist aus heutiger Sicht noch nicht dramatisch. Beim Blick in die Zukunft ist, insbesondere vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung und dem damit zu erwartenden Wandel bei der Bevölkerungszahl, eine besorgniserregende Prognose fest zu stellen. Diese Entwicklung könnte durch die zu erwartenden Änderungen vieler Rahmenbedingungen, wie Ganztagesschulen, Arbeitsplatzproblematik, Wohnortwechsel und Familienplanung, noch verschärft werden. Der Wegfall des Wehrdienstes und der damit verbundenen Wehrdienstbefreiung hat dazu geführt dass junge Feuerwehrmänner nicht mehr langfristig an die Feuerwehr gebunden werden. Viele Feuerwehren haben einige Projekte zur Mitgliedergewinnung aufgelegt und das Personal steigern können.

Trotzdem besteht ein weiteres Problem dadurch, dass zwar prinzipiell genügend Personal vorhanden ist, ein Einsatz der Feuerwehren dennoch nicht zu allen Tageszeiten gewährleitet ist. Stichwort: Tagesalarmverfügbarkeit. In vielen Städten und Gemeinden kann eine Tages-Alarm-Bereitschaft gerade noch aufrechterhalten werden. Dabei wird heute schon auf die Feuerwehrangehörigen zurückgegriffen, die im Ort berufstätig sind, aber in einem anderen Ort wohnen.

Als weiteres Problem wurde erkannt, dass die Akzeptanz der ehrenamtlichen Tätigkeit bei einer Feuerwehr im beruflichen Umfeld und dessen Ebenen nicht immer so ist, wie es wünschenswert wäre.

Somit wurde die Idee geboren, neue Zielgruppen für die Feuerwehr in Form von Auszubildenden der ansässigen Firmen zu gewinnen. Zusätzlich sollen für Jugendfeuerwehrangehörige ortsnahe Ausbildungsplätze gefunden werden, damit sie bei späterer Übernahme in ein Arbeitsverhältnis die Tagesalarmverfügbarkeit erhöhen. Nebeneffekt des Projektes soll sein, dass sich die Akzeptanz der Arbeit der Feuerwehren in den Firmen wieder erhöht.

Im ersten Schritt wurde durch den Kreisfeuerwehrverband Rems-Murr e.V. bzw. den Kreisbrandmeister Kontakt zum Präsidenten der IHK Bezirkskammer aufgenommen. Schnell war man sich einig etwas zu tun. Von der IHK wurde nun geprüft welche Firmen Interesse an einer Teilnahme haben und das Projekt intern im gewerblichen Ausbilderarbeitskreis vorgestellt. Von der IHK wurden vier Firmen für den Start des Projekts ausgewählt und durch die Kreisjugendfeuerwehr wurden Jugendfeuerwehren in direkter Nachbarschaft der Firmen angesprochen. Alle Beteiligten waren sich einig das es kleine Einzelprojekte geben soll. 

Die Projekte sollten von Zeitpunkt und Dauer entweder in den Ferien oder in den Schulzeiten nachmittags stattfinden. Die genaue Dauer wurde dabei individuell nach Absprache zwischen den Firmen und Jugendfeuerwehren geregelt. Die Jugendfeuerwehrmitglieder, die am Projekt teilnehmen, sollen 14 - 16 Jahre alt sein. An jedem Einzelprojekt nahmen 4 - 8 Jugendfeuerwehrmitglieder teil.

Die einzelnen Projektgruppen überlegten sich dann gemeinsam etwas, was gebaut wurde. So wurden zum Beispiel verschiedene Wasserspiele, Schwenkgrills und Geräte für Jugendfeuerwehrübungen gebaut. Die Planung und Durchführung haben die Mitglieder der Jugendfeuerwehren und die Azubis in Abstimmung mit den Ausbildern gemeinsam übernommen.

Ziel des Projekts war es, dass die Azubis die Feuerwehr und deren Arbeit kennen lernen und die Jugendlichen verschiedene Berufsbilder kennen lernen. Deshalb gab es auch bei vielen Projekten eine Veranstaltung an der mit den Azubis ein Feuerlöscher-Training durchgeführt bzw. die Feuerwehr vorgestellt wurde. Seit Beginn des Projekts haben sich weitere Firmen und Jugendfeuerwehren an dem Projekt beteiligt.

Das Prinzip ist eigentlich ganz einfach. Jeder Projektpartner, Jugendfeuerwehr wie Firma, kann auf Erfahrungen im jeweiligen Bereich zurückgreifen. In den Firmen gibt es immer wieder Jugendliche, die ein Praktikum machen und die Jugendfeuerwehren führen immer wieder Aktionen im Feuerwehrhaus durch, bei denen andere Jugendliche zugegen sind. Im Projekt „Jugendfeuerwehr trifft Industrie“ werden beide Parts zusammengeführt und durch ein gemeinsames überschaubares Bauprojekt abgerundet. Der finanzielle, aber auch der zeitliche Aufwand ist durch die kleinen Teilprojekte vor Ort sehr überschaubar. Dieser Aspekt ist für beide Seiten wichtig, da beide bereits einen sehr hohen Zeitaufwand in ihrer eigentlichen Arbeit haben.

Durch die gegenseitigen Aktionen werden die Jugendlichen motiviert die Jugendfeuerwehr/Feuerwehr bzw. die Ausbildungsbetriebe aus einem ganz anderen Blickwinkel und einer anderen Motivation heraus kennen zu lernen und dann für sich zu entscheiden, ob man sich eine Berufsausbildung und eine Mitgliedschaft in Jugendfeuerwehr / Feuerwehr vorstellen kann. Dies haben auch schon einige Jugendliche getan. So haben bisher fünf Jugendliche einen Ausbildungsplatz angenommen und drei Auszubildende sind Mitglied einer Jugendfeuerwehr bzw. Feuerwehr geworden.

Das Projekt ist so ausgelegt, dass es sich jährlich wiederholen kann, da immer wieder Jugendliche aus den Jugendfeuerwehren im Umkreis der Firmen im entsprechenden Alter teilnehmen können und wollen. Es gibt Jugendfeuerwehren die sich jährlich an dem Projekt beteiligt haben. Außerdem haben sich auch weitere Firmen und Jugendfeuerwehren seit dem Start des Projekts an diesem beteiligt. So kann eine dauerhafte Partnerschaft mit einer Firma entstehen, sowie Auszubildende und Feuerwehrmitglieder gefunden werden. Ganz entscheidend ist aber, dass die Akzeptanz der Arbeit der Feuerwehren in den Firmen wieder erhöht wird.

Angedacht ist, das Projekt auch in Richtung Handwerk auszuweiten. Weitere Berufsbereiche sind denkbar. Sogar eine kleine auf einen Ort begrenzte Ausbildungsmesse ist in einer ersten Projektidee /„geboren/“ worden. Somit ist eine starke Vernetzung von Wirtschaft und Feuerwehr möglich.

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